Für Mariechen gibt es keine Pause .

RNZ vom 11.11.11, von Stephanie Kern

Das „Fastnachtsgen“ liegt ihr im Blut, schließlich ist schon Vater Martin Husfeldt eine unverzichtbare Figur bei der Karnevalsgesellschaft „Neckario“ – er ist der Neck. Und nun übernimmt seine Tochter Anna die Rolle des Tanzmariechens bei der Karnevalsgesellschaft. Am 11.11 hat sie ihren ersten großen Auftritt, um 11.11 Uhr starten die Narren deutschlandweit in die Fastnachtszeit.
Nach mehreren Jahren ohne eigenes Tanzmariechen – im vergangenen Jahr war ein „Gastmariechen“ in Neckarelz – übernehmen nun die 14-jährige Anna und die neunjährige Isa diese Aufgabe. Und das bedeutet mehr, als nur „ein bisschen“ zu tanzen und zu lächeln. Bereits seit März proben Anna und ihre Trainerin Birgitta von Hülsen einmal die Woche zwei Stunden, dazu kommen für Anna noch zwei Stunden wöchentlich Training in der Garde.
Im Einzeltraining stehen dann Figuren auf dem Programm, die man in der Garde nicht übt. „Bogengang, Rad mit einer Hand, Rad ohne Hände, Flik-Flak und vieles mehr“, zählt Trainerin Brigitta von Hülsen auf. Gefunden wurden die beiden neuen Tanzmariechen durch eine Art „Casting“: „Wir haben Probetrainings veranstaltet, damit die Mädchen sehen, was auf sie zukommt“, erklärt von Hülsen. Mit zehn Mädchen habe man begonnen, viele haben schnell gemerkt, dass es ihnen zu viel Arbeit wird oder dass sie nicht ganz das Zeug zur Solotänzerin haben. Am Schluss mussten sich die Trainerinnen zwischen drei Mädchen entscheiden – Anna und Isa überzeugten. „Klar, dass da auch Traurigkeit aufkommt, wenn man einem Mädchen absagen muss“, sagt Birgitta von Hülsen.
Anna hingegen freut sich über ihre neue Aufgabe: „Ich finde es gut, dass ich jetzt auch mal alleine auf der Bühne bin und Platz habe“, sagt die 14-Jährige. Von Zickenkrieg mit den Tanzkolleginnen aus der Garde keine Spur. „Die freuen sich für mich!“ Seit vier Jahren tanzt Anna in der Garde, im letzten Jahr hat sie eine eigene Choreografie für eine kleine Tanzgruppe entwickelt. „Sie hat schon Talent dafür“, sagt Birgitta von Hülsen. Beim Training wird aber nicht nur stumpfsinnig ein ums andere Mal die Choreografie abgespult. „Wir nehmen uns immer wieder kleine Stücke vor und arbeiten an den Feinheiten“, erläutert die Trainerin. Außerdem stehen auf dem Programm oftmals akrobatische Übungseinheiten. Denn neben dem Tanzen machen Turnen und Akrobatik einen großen Teil aus. „Wir studieren auch schon Dinge für die nächste Kampagne 2011/12 ein“, dann kann Birgitta von Hülsen auf ein größeres „Repertoire“ zurückgreifen.
Die Trainerin selbst war jahrelang Tänzerin – „leider nie Tanzmariechen“ – hat die Garde in Neckarelz trainiert und aufgebaut, war auch schon für die ein oder andere Büttenrede verantwortlich und unterstützt natürlich auch ihren Mann, Vereinspräsident Gerd von Hülsen, bei seiner Arbeit.
Im Training mit Anna muss sie auch mal streng sein, aber beide haben sichtlich Spaß, und die Trainerin geizt auch nicht mit Lob für ihre Schülerin: „Ich bin zuversichtlich, dass sie das gut hinbekommt.“ Was ein Tanzmariechen brauche, sei viel Initiative – und die bringe Anna auf jeden Fall mit. „Man muss sich eben Zeit nehmen, wie für jedes andere Hobby auch“, sagt von Hülsen. Aber auch für das Kostüm und die Musik sind Trainerin und Schülerin selbst verantwortlich. Und so hoffen beide natürlich, dass bei der Premiere am heutigen Abend nichts schiefgeht. Acht bis zehn Auftritte erwarten Anna im Laufe der Kampagne. An Wettkämpfen will das Gespann ab dem kommenden Jahr teilnehmen. Und dann? „Ich will auf jeden Fall weiter das Tanzmariechen bleiben“, sagt Anna.
Im letzten Jahr war sie am Fastnachtstreiben noch als Biene beteiligt, in diesem Jahr braucht sie sich über das beste Kostüm keine Sorgen mehr zu machen…
Info: Die KG „Neckario“ startet am Freitag – im Jahr des 60. Jubiläums – in ihre Kampagne. Ab 19.31 Uhr wird Sitzungspräsident Gerd von Hülsen neben dem Elferrat auch aktive Tanzgruppen und Solisten der Neckario vorstellen. Die Veranstaltung findet im Saal des Gasthaus „Krone“ in Diedesheim statt. Die Bevölkerung ist eingeladen, Eintritt frei.

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