Gründung der KG Neckario Neckarelz – der Neck berichtet

Immer wenn im Spätherbst das Wasser des Neckars ganz kühl und klar wird und wenn wir hier unten im Neckar die Arbeit des Jahres fast geschafft haben, dann schauen meine Nixen sehnsüchtig hinauf nach Neckarelz: Bald geht sie wieder los, die schöne Fastnachtszeit.
Das war nicht immer so. Noch vor etwas mehr als 60 Jahren gab es keine Fasnacht in Neckarelz. Das Dorf war im Winter wie ausgestorben und all die Obrigkeiten konnten sich so blöd anstellen wie sie wollten, ohne dass irgendwer ihnen deswegen vor das Schienbein trat. In Wahrheit bemerkten sie oft ihre eigene Dummheit nicht einmal, da ihnen niemand den Spiegel vorhielt.

Damit sich das endlich ändert, fanden sich ein paar aufrechte und lebensfrohe Bürger zusammen um einen Fastnachtsverein aus der Taufe zu heben. Dann sollte die Obrig- keit nicht mehr ungeschoren mit jeder Dummheit davonkommen. Und ein bisschen Trubel in der sonst so tristen Winterzeit konnte schließlich auch nicht schaden.

Freilich ist es nicht so ganz einfach, einen Fastnachtsverein zu gründen. Gerade in Orten, wo Viele zum Lachen lieber in den Keller gehen, wird so ein Vorhaben nur allzu leicht schon vorher zerredet. Damit das nicht passieren kann, trafen sich die Gründer- väter unter strikter Geheimhaltung. Der eine schwindelte seiner Frau vor: „Ich geh heut mein Weihnachtsgeld versaufen“, der nächste log: „ Ich geh zu der hübschen blonden Nachbarin vom Hinterhaus“. Nur einer, der spätere Vorstand Karl Supper traute sich, seiner Frau die ganze ungeschminkte Wahrheit mitzuteilen: „Weib, wohin ich geh, das geht dich einen Scheißdreck an“. Und der Hirschwirt Karl Rappolt brauch- te überhaupt keine Ausrede, warum er abends im Hirsch war.

Und siehe da, so saßen sie am 16. Dezember 1951 um halber achte im Gasthaus Hirsch zur Gründungsversammlung der Karnevalsgesellschaft Neckario Neckarelz beisammen und niemand draußen wusste Bescheid. Das änderte sich natürlich bald, als die Karnevalsgesellschaft Neckario mit Prunksitzung, Schwarz-Weiß-Ball und Um- zügen durch das ganze Dorf von sich reden machte. Der ganze Trubel blieb natürlich auch im Neckar nicht unbemerkt.
Bis dahin ahnten die Leute im Dorf noch nicht, dass ich, der Neck, direkt vor ihren Haustüren im Neckar wohne und regiere. Wie hätten sie es auch ahnen sollen: Som- mers über hat man als Neck im Neckar mehr als genug zu tun und im Winter wäre bis zur Neckario-Gründung niemand freiwillig nach Neckarelz gekommen.
Aber als dann auch im Winter Leben in das Dorf kam, ließ ich mich natürlich nicht mehr lange bitten und bin seit mehr als 50 Jahren selbst Mitglied im Verein. Und ich genieße es, jedes Jahr – vom Sonntag nach Dreikönig bis zum Faschingsdienstag- bei jeder Veranstaltung dabei zu sein. Einige sagen sogar, ich wäre der Regent der Neckarelzer Fastnacht, aber was heißt schon regieren, es macht ja ohnehin jeder was er will.
Hauptsache, es geht bald wieder los. Auch meine Nixen freuen sich schon darauf.

Euer Neck, Martin Husfeldt

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